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Dieses Merkblatt enthält allgemeine medizinische Informationen. Es ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Beratung. Ob eine aktive Überwachung im Einzelfall geeignet ist, muss gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.
Aktive Überwachung ist kein Nichtstun. Der Tumor wird nach einem verbindlichen Plan kontrolliert. Eine heilende Behandlung erfolgt erst, wenn eine medizinisch bedeutsame Veränderung bestätigt ist.
Alle wichtigen Punkte zur aktiven Überwachung – kompakt zum Ausdrucken und Mitnehmen zum Arztgespräch.
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Die Einteilung berücksichtigt PSA-Wert, Tastbefund (cT-Stadium), ISUP-/Gleason-Gruppe, Tumormenge in den Stanzen, PSA-Dichte und MRT. Vereinfacht gilt:
Typische Merkmale: cT1c, ISUP 1, PSA < 10; weniger als 3 positive Stanzen, je ≤ 50 % Tumoranteil, PSA-Dichte < 0,15
Besonders günstige Untergruppe – aktive Überwachung ist der Standard.
Kontrollen (erste 2 Jahre): PSA alle 6 Monate; MRT/Biopsie nach Befund.
Typische Merkmale: cT1–cT2a, ISUP 1, PSA < 10; die Kriterien für „very low“ sind nicht vollständig erfüllt
Aktive Überwachung soll angeboten und regelhaft durchgeführt werden.
Kontrollen (erste 2 Jahre): PSA alle 6 Monate; MRT/Biopsie nach Leitlinienplan.
Typische Merkmale: Ausgewähltes ISUP 2 (Gleason 3+4), geringer Anteil Muster 4, kein cribriformes/intraduktales Wachstum, lokal begrenzt
Kann nach sorgfältiger Auswahl und Aufklärung angeboten werden – engmaschiger als bei ISUP 1.
Kontrollen (erste 2 Jahre): PSA alle 3 Monate; mpMRT und Biopsien risikoadaptiert.
Typische Merkmale: Ungünstiges ISUP 2 oder ISUP 3; hoher Anteil Muster 4 bzw. cribriformes/intraduktales Wachstum
Keine aktive Überwachung – eine heilende Behandlung sollte geprüft werden.
Kontrollen (erste 2 Jahre): Kein AS-Kontrollplan.
Bei PSA ≥ 15 ng/ml, ungünstigem ISUP 2, ISUP 3–5 oder ≥ cT3/cN+ soll keine aktive Überwachung erfolgen. Seltene Grenzfälle müssen individuell im Tumorboard bewertet werden.
Bei very low und low risk (ISUP 1 / Gleason 3+3 = 6) ist die aktive Überwachung nach der deutschen S3-Leitlinie die Standardstrategie. Auch die EAU empfiehlt sie als erste Option. Sie vermeidet oder verschiebt Operation und Bestrahlung mit möglichen Folgen wie Harninkontinenz, Erektionsstörungen sowie Blasen- oder Darmbeschwerden – ohne die Möglichkeit einer späteren Heilbehandlung aufzugeben.
Bei ausgewähltem günstigem ISUP 2 (Gleason 3+4) kann aktive Überwachung angeboten werden. Weil das Risiko uneinheitlicher und möglicherweise höher ist, sind sorgfältige Gewebeprüfung, qualitätsgesicherte mpMRT, verlässliche Termine und eine ausführliche gemeinsame Entscheidung besonders wichtig.
Niedrigstes Risiko innerhalb von ISUP 1
Weniger und kürzer befallene Stanzen sowie eine PSA-Dichte < 0,15 sind günstig. Reklassifikation und Therapiewechsel sind seltener als bei Low risk. Eine eigene, allgemeingültige Prozentzahl nennt die S3-Leitlinie für diese Untergruppe nicht.
Nach 10 Jahren: 99,4 % metastasenfrei und 99,9 % nicht am Prostatakarzinom verstorben
Das entspricht etwa 0,6 % mit Metastasen und 0,1 % tumorbedingten Todesfällen in einer großen prospektiven Kohorte. Andere größere Kohorten berichten mindestens 98,1 % tumorspezifisches Überleben nach 10 Jahren.
Risiko höher oder unsicherer als bei ISUP 1
Unselektierte Intermediate-risk-Gruppen hatten gegenüber Low risk nach 10 Jahren ein etwa 5,8-faches Metastasenrisiko und ein etwa 3,9-faches Risiko, am Tumor zu sterben. Bei streng ausgewähltem ISUP 2 war in Subgruppen kein signifikanter Unterschied nachweisbar.
Deutlich höheres Progressionsrisiko
Gleason-Muster 4 war insgesamt mit ungefähr dreifach erhöhtem Metastasenrisiko gegenüber ISUP 1 verbunden. Bei ungünstigem ISUP 2 oder ≥ ISUP 3 ist aktive Überwachung nicht empfohlen.
Wie häufig wird später behandelt? Über unterschiedliche Studien hinweg wechseln 30–61 % im Verlauf zu einer aktiven Therapie. Davon erfolgen 8–17 % ausdrücklich auf Wunsch des Patienten. In der PRIAS-Studie war bei 41 % der Therapiewechsel eine histologische Höherstufung oder Ausdehnungszunahme in der Re-Biopsie der Auslöser. Diese Zahlen sind keine Metastasen- oder Sterberaten.
Befunde werden fortlaufend bewertet. Auffälligkeiten führen gezielt zu MRT und/oder erneuter Biopsie.
PSA, qualitätsgesicherte mpMRT und Kontrollbiopsien folgen einem schriftlich festgelegten Plan.
Sie ist ein Warnsignal und muss abgeklärt werden. Die Entscheidung für eine Behandlung soll auf einer bestätigten histologischen oder klinischen Verschlechterung beruhen.
Eine heilend ausgerichtete Behandlung wird empfohlen:
Wenn eine Behandlung notwendig wird, kommen insbesondere Operation oder Bestrahlung mit heilender Zielsetzung infrage. Eine spätere Behandlung ist vorgesehener Bestandteil des Sicherheitskonzepts und kein Versagen der Überwachung.
Ein höhergradiger Tumoranteil kann bei der ersten Biopsie übersehen worden sein.
Unzuverlässige PSA-, MRT- oder Biopsietermine können eine relevante Veränderung verzögert erkennen lassen.
Hohe PSA-Dichte, größere Tumormenge, cribriforme/intraduktale Histologie sowie familiäre oder genetische Risiken können die Empfehlung verändern.
Ein schriftlicher Plan, verständliche Befunde, feste Ansprechpartner und bei Bedarf psychoonkologische Unterstützung helfen gegen anhaltende Angst.
Zertifizierte Prostatakrebszentren werden daran gemessen, aktive Überwachung bei geeignetem lokal begrenztem Niedrigrisiko-Prostatakarzinom tatsächlich anzuwenden. Für das Auditjahr 2026 gilt bei PSA ≤ 10 ng/ml, Gleason ≤ 6 und ≤ cT2a ein Zielwert von mindestens 30 %.
42,1 %
aktiv überwacht im Kennzahlenjahr 2024 (gesamt)
43,1 %
Median der Zentren
Das ist ein Qualitätsindikator gegen Übertherapie, keine Quote für den einzelnen Patienten. Die persönliche Entscheidung bleibt eine gemeinsame Entscheidung von Patient und Arzt.
Bei passender Auswahl und zuverlässiger Überwachung soll eine Veränderung erkannt werden, solange eine kurative Behandlung möglich ist.
Weil eine sofortige Behandlung Nebenwirkungen verursachen kann, obwohl sie bei einem stabilen Niedrigrisikotumor möglicherweise nie nötig geworden wäre.
Ja. Medizinische Befunde und der persönliche Umgang mit der Erkrankung werden regelmäßig gemeinsam neu bewertet.
Nein. Aktive Überwachung bleibt kurativ ausgerichtet. Watchful Waiting ist meist symptomorientiert und wird eher bei begrenzter Lebenserwartung eingesetzt.
Behandeln, wenn es notwendig wird – aber nicht früher.
Sicherheit entsteht durch passende Auswahl und lückenlose Kontrollen.

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Medizinische Referenzen
Quellen: Aktuelle Leitlinien & peer-reviewed Studien · Keine Werbe-Inhalte